Erster Literaturwettbewerb ein voller Erfolg

 

Lou (Juli 2020) - Nachdem die Jury viele kreative Einsendungen gelesen hat,

standen drei Sieger fest:

 

Kylie Moch aus der G6 gewann in der Kategorie "Märchen"

Maximilian Mieczkowski aus der R5 gewann in der Kategorie "Tagebucheintrag"

Daniel Valeev aus der R9 gewann in der Kategorie "Kurzgeschichte"

(Schuljahr 2019/20)

 

Auch die Presse kam zur Preisverleihung:

Den Artikel vom Weser Kurier findet ihr HIER

Den Artikel von der Kreiszeitung findet ihr HIER

 

Alle drei Gewinnertexte könnt ihr auf dieser Seite lesen. Viel Spaß dabei und vielleicht seid ihr im nächsten Jahr auch dabei.


Das Märchen vom Corona-Drachen (von Kylie Moch)

 

Es war einmal ein glückliches Königsreich, in dem alle Menschen zufrieden und friedlich miteinander lebten. Eines Tages ist ein böser Drache aufgetaucht, dessen Name Covid19 war. Er brachte großes Unglück über das Land und tötete viele Menschen. Der König und die Menschen wussten nicht mehr weiter und waren dem Drachen ausgeliefert. Daraufhin beschloss der König, den bösen Drachen zu bekämpfen, indem er mutige Ritter dazu aufforderte, den Drachen zu töten. Als Belohnung versprach der König demjenigen, der es schaffen würde, den Drachen zu töten, seine wunderschöne Tochter zur Frau. Der erste Ritter machte sich auf den Weg zum Drachen, um ihn mit seinem Schwert zu töten. Aber es gelang ihm nicht. Der zweite Ritter wollte den Drachen verbrennen. Aber auch er scheiterte. Der dritte Ritter aber wollte den Drachen nicht mit Waffen, sondern mit Kopf und Herz bekämpfen. Er war ein kluger Mann, der sich gut mit Ungeheuern auskannte. Er liebte die Menschen und wollte ihnen unbedingt helfen. Um den Drachen zu bekämpfen, stellte er folgende Regeln für das ganze Volk auf:

1. Hände waschen 2. Abstand halten 3. Mundschutz tragen

Der König und sein Volk glaubten zuerst nicht daran, auf diese Weise einen Drachen töten zu können und einige lachten ihn sogar aus. Aber da es bisher keinem gelungen war, den Drachen zu besiegen und immer mehr Menschen starben, hatte der König keine andere Wahl, als den Rat des klugen Ritters zu befolgen. Aber der Plan wirkte nicht sofort, erst nach einiger Zeit. Kurz vor dem Aufgeben, stellten sie fest, dass der Drache anfing zu schrumpfen. Je länger sie die Regeln befolgten, desto kleiner wurde der böse Drache, bis er schließlich nicht mehr gefährlich für das Volk war.

Der Ritter war so klug, dass er sogar einen Zaubertrank erfand. Alle Menschen sollten davon einen Schluck trinken, damit der Drache ihnen nie wieder gefährlich werden konnte. Glücklicherweise mussten sie dank des Zaubertranks langsam die Regeln nicht mehr befolgen. Mit der Zeit wurde alles wieder wie früher, die Menschen gingen zum Markt und feierten viele Feste. Der kluge Ritter nahm die Prinzessin zur Frau und sie feierten eine Woche lang eine Riesenhochzeit. Das Ehepaar war sehr verliebt und sie bekamen sehr viele Kinder. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

 

"Corona & ich - verrückte Zeiten" Tagebucheintrag (von Maximilian Mieczkowski)

 

24.12.2019 Erstmal möchte ich etwas klarstellen: das hier ist kein Tagebuch, das sind meine Memorieren. Damit die Menschen wissen, was ich gedacht habe, bevor ich ausgerottet wurde. Meine Reise beginnt in China. Hier wurde ich entdeckt, aber zum Glück wollte die Behörde es nicht wahrhaben, dass ich existiere. Na ja, ich existiere, ob ihr wollt oder nicht. Na warte, jetzt komme ich, Corona -Virus. Ihr könnt mich aber auch Viri nennen.

 

12.01.2020 Heute startet meine Weltreise. Ich denke, vorerst möchte ich nach …..Thailand. Ich kann es kaum erwarten meine ganzen Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt zu treffen.

 

13.01.2020 Yindī t̂xnrạb - das bedeutet willkommen auf Thailändisch. Ich lerne neue Sprachen und viele, viele Menschen. Das Leben ist so schön.

 

23.01.2020 Ich habe einen Brief von meiner Familie bekommen. Die ist in Amerika angekommen. Ich hoffe die Menschen freuen sich die zu sehen.

 

20.02.2020 Heute hat mich eine sehr nette Frau mit in den Flieger nach Deutschland genommen. Da werde ich mich erstmals in den Ruhestand setzen und viele nette Jungs und Mädchen kennenlernen. Mein Bruder Gary ist heute nach Italien geflogen. Ich bat ihm um eine Postkarte.

 

01.03.2020 Tolle Neuigkeiten. Gary's Postkarte ist angekommen. Um ehrlich zu sein, es sind 500 in dem Briefkasten gewesen. Alle meine Schwestern und Brüdern, aus vielen Ländern und Städten schicken mir Postkarten. Oh je :( Ich muss anfangen auch welche zu schreiben.

 

05.03.2020 Ich habe ein neues Wort gelernt: infizieren. Es ist bestimmt ein Spiel. Ich spiele mit.

 

08.03.2020 Spielverderber. Die Menschen tragen jetzt Mundschutz. Ich finde das etwas dämlich, weil ich sie trotzdem noch infizieren kann. Wenn sie nicht mitspielen wollen, sollen sie nur etwas sagen.

 

09.03.2020 Ich habe heute jemanden gesehen, den ich gerne infizieren möchte. Mit ihm kann ich auch gerne länger spielen. Er scheint nett zu sein. Sein Name ist Maximilian Mieczkowski.

 

10.03.2020 Ich wurde heute bei der Familie Mieczkowski aufgenommen.

 

12.03.2020 Nun habe ich Maxi infiziert. Er zeigt noch keine Symptome. Ich finde das nicht sehr schön. Ich möchte doch, dass er sich schlecht fühlt oder übergibt oder irgendetwas. Ich glaube er hat die Spielregeln noch nicht verstanden. Er hat nicht einmal Husten. Nur eine verstopfte Nase. Und wenn ihr mich fragt, ich erwarte schon viel mehr. Ich habe mir so viel Mühe gegeben. Na ja egal, jetzt kann er mich wenigstens weiterverbreiten. Morgen gehen wir nämlich in die Schule.

 

13.03.2020 Maxi freut sich heute übermäßig... Etwas stimmt nicht. Er sagte die Schule ist doch langweilig, also es kann nicht wegen Schule sein. Oooooo nein, die Schule ist geschlossen.

 

28.04.2020 Es sind schon mehrere Wochen vergangen. Es ist aber nicht spannendes passiert.

 

29.04.2020 Heute habe ich ein neues Virus kennengelernt. Wir haben uns aber nicht gut verstanden. Es war die Grippe. Lady Influenza. Oder Influencer??? „Die ganze Welt kennt MICH“ Sagt Sie!!!! Sie ist bei Maxi angekommen und sagte, dass sie Maxi viel länger kennt als ich.

Das macht mich stinksauer. Ich bin doch Maxi's bester Freund.

 

01.05.2020 Na ja. Der Grippe Virus sieht gar nicht gut aus. Maxi nimmt Medizin. Er möchte den Virus rausschmeißen. Daaaaas ist der Beweis, jeeeeee, dass ich Maxi's bester Freund bin. Männer halten eben zusammen. Wir pupsen, wir rülpsen, wir halten eben zusammen.

 

05.05.2020 Die Familie, bei der ich so liebevoll aufgenommen wurde, möchte nach Polen fahren. Klingt exotisch. Keiner meiner Brüder oder Schwestern war bisher in Polen. Ich bin wie Columbus und entdecke neue Welten. Das heißt, da werde ich mich wohl auch als erster verbreiten können. Juhu.

 

08.05.2020 Endlich fahren wir nach Polen. Ich freue mich schon so sehr darauf Maxi's Verwandte kennenzulernen und neue Freunde zu finden. Das ist so aufregend. Wir fahren schon ACHT Stunden. Kennt hier keiner Flugzeuge? Ach soooo...wegen einer Pandemie sind alle Flüge gestrichen. Wer ist diese Pandemie? Wieder eine Frau die berühmter ist als ich.

Das dauert eine Ewigkeit, aber ich freue mich.

Ihr glaubt nicht, was ich gerade erfahren habe. Mein Onkel Charlie und meine Tante Lisa sind gestern in Polen angekommen. Das bedeutet ich werde nicht mehr der Erste meiner Art sein, der in Polen angekommen ist. : ( Nicht mal das wird mir gegönnt.

 

09.05.2020 Heute hat mich Maxi etwas aufmuntern können. Wir gehen morgen zu einer Party. Kamel, Chamäleon, Kommiliton, Kommunion oder so was. Party, Leute, Spiel, INFIZIEREN.

 

10.05.2020 Nööööööö. Blöd. Abgesagt.

 

11.05.2020 Maxi ist heute einkaufen gefahren. Ich habe ihm eine Einkaufsliste geschrieben was er mir mitbringen soll: kalte Luft, Zigaretten, fettiges Essen, Wodka...alles was den Immunsystem schwächer machen kann. Ich verbringe den Tag mit Sandra, Pflegetochter von Maxi's Großeltern. Das wird sicher lustig, wir spielen das tollste Spiel dass ich kenne: INFIZIEREN.

 

13.05.2020 Heute hat mich Maxi zum Angeln mitgenommen. Das war richtig.... laaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig. Wir saßen da Stunden lang und haben das Wasser angestarrt. Nie wieder gehe ich fischen. Am Ende mussten wir den Autoschlüssel noch suchen. Nach 2 Stunden hat Maxi ihn gefunden. Der Schlüssel war in dem Kofferraumschloss, der geöffnet war. Stellt euch vor, was ich in der Zeit gemacht habe? Waaaasser aaaangestarrt.

 

20.05.2020 Heute sind wir zurück nach Deutschland gefahren. Ich war sehr traurig, dass ich noch nicht alles von Polen gesehen habe. So viele nette Menschen haben auf mich bestimmt gewartet. Na ja, vielleicht beim nächsten Mal. Aber Maximilian hat mir erzählt dass in Deutschland die Oktoberferien sehr spaßig sein sollen. Dann kann ich auch hier viele Menschen kennenlernen. Das sollte ich mir nicht entgehen lassen.

Als wir heute bei dem Haus der Familie Mieczkowski angekommen sind, habe ich mich sehr sehr sehr sehr sehr sehr schlecht gefühlt.

Ich fühle mich so schlecht, dass es jetzt gar nicht mehr auszuhalten ist. Übelkeit, trockener Husten und Fieber. Ich glaube, ich habe Covid 19 bekommen. Ob er mein Verwandter ist?

Das ist vielleicht mein letzter Tagebuch Eintrag.... oder auch nicht?

DAMM DAMM DAAAAAMM

 

 

Die Brille - Eine Kurzgeschichte (von Daniel Valeev)

 

Leere Regale in Läden. Sie werden gerade wieder aufgefüllt und dann erscheint er wieder. Hamsterkäufe werden ein Teil seines Alltags. Seine Brille ist schon wieder weiß. Seine Maske sorgt dafür. Die Brille beschlägt so stark, dass er seine Einkäufe nicht mehr sieht.

Immer wieder beschlägt sie.

Paletten an Mehl, Wagenladungen an Klopapier. Erst werden die Regale aufgefüllt und dann sind sie wieder leer. Jeder stört sich an leere Regale. Es stört ihn aber nicht. Er hat schon alles leer gekauft. Ihm stört etwas anderes. Seine Brille. Immer wieder diese Brille. Einatmen, ausatmen und sie ist wieder weiß. Daran stört er sich. Immer wieder diese Brille. Egal was er macht es hört nicht auf. Er kann es nicht ausstehen. „Ohne Maske komme ich nicht in den Laden hinein und mit Maske sehe ich gar nichts“. Das denkt er sich immer wieder. Immer wieder diese Brille. An nichts anderes denkt er. Jetzt steht er wieder an der Kasse. Das ist das sechste Mal diese Woche. Die Kassiererin schaut schon wieder genervt. Das interessiert ihn aber nicht. Er kann nur noch an seine Brille denken.

Es dauert ihm viel zu lange. Die Kassiererin kommt nicht hinterher. Wagenladungen an Lebensmittel. Und hinter ihm tummeln sich noch mehr Leute. Alle mit Bergen an Lebens- mittel in den Wägen. Sie sind kaum noch bewegbar. Geschoben werden sie mit großer Mühe. Er schiebt mit all seiner Kraft. Der Wagen rührt sich kaum. Daran denkt er aber nicht. Er kann nur an eines denken: Seine Brille. Die Tür ist nicht mehr weit weg. Nur noch ein paar mühsame Schritte.“ Endlich“ denkt er sich. Er kann endlich seine Maske absetzen. Endlich frei atmen, endlich wieder etwas sehen. Er will nur noch eins. Zuhause will er seine Sachen verstauen. Man sieht ihm seine Freude an. Nur noch ein paar Meter und er ist bei seinem Wagen.

Jetzt aber bemerkt er ein Problem. Sein Kofferraum ist viel zu klein. Er hat nicht mitbekommen, wie viel er gekauft hat. Seine Brille war zu stark beschlagen. Er fängt an alles zu verstauen, aber es bringt nicht viel. Der Kofferraum wird immer voller. Er kann den Kofferraum gerade so schließen. Aber da fällt ihm auf, dass er nicht einmal die Hälfte seiner Einkäufe verstaut hat. Es wird ihm langsam alles zu blöd. Er versucht die restlichen Sachen auf den Sitzen zu verteilen. Der Beifahrersitz und die drei Rücksitze sind nach einiger Zeit auch alle voll. Alles ist bis zum Dach hochgestapelt. Er denkt, dass er alles eingelagert hat. Er freut sich, dass er endlich nach Hause kann. Aber ihm fällt noch eine Sache auf. Im Einkaufswagen liegt noch etwas. Eine Sache hat er vergessen einzulagern. Im Einkaufwagen liegt noch eine große Packung von Brillenputztüchern. Was passiert mit denen jetzt?